VFL-FRAUEN BRAUCHEN GEDULD – UND ÜBERROLLEN FRANKFURT AM ENDE MIT 4:0

Lange tat sich der VfL Bochum gegen die zweite Mannschaft von Ein­tra­cht Frank­furt schw­er. Erst in der Schlussvier­tel­stunde fiel der Bann – dann aber richtig. Vier Tore inner­halb von gut 15 Minuten sorgten für einen am Ende deut­lichen 4:0‑Erfolg. Damit bleiben die Bochumerin­nen auch nach dem drit­ten Spielt­ag ohne Punk­tver­lust an der Spitze der 2. Frauen-Bundesliga.

VfL-Bochum-Kapitänin Noemi Gentile vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt II

Wer nur das Ergeb­nis sieht, kön­nte auf einen unge­fährde­ten Bochumer Nach­mit­tag schließen. Ganz so ein­fach war es im Lohrhei­desta­dion allerd­ings nicht.

Die grund­sät­zliche Spielidee der Mannschaft von Kyra Mali­nows­ki war von Beginn an zu erken­nen. Hin­ten eine zweikampf­s­tarke und eng zusam­men­ste­hende Vier­erkette ver­suchte der VfL, das Spiel kon­trol­liert von hin­ten aufzubauen und über das Mit­telfeld nach vorne zu tra­gen. Auf­fäl­lig war dabei, dass die Bochumerin­nen nur sel­ten den ein­fachen lange Ball spiel­ten, son­dern immer wieder ver­sucht­en, das Spiel in die Tiefe oder über die Bre­ite fortzusetzen.

Was zunächst fehlte, waren Ruhe und Präzi­sion. Die Anfangsphase war von Ner­vosität und eini­gen Fehlpässen geprägt. Vor allem auf der linken Bochumer Angriff­s­seite bot sich immer wieder viel Platz, ohne dass dieser kon­se­quent genutzt wurde.

Frank­furt machte sein­er­seits die Räume eng, vertei­digte aufmerk­sam und ließ zunächst wenig zu. Nina Lange und Anna Moczars­ki kamen zu Möglichkeit­en, wirk­lich zwin­gend wurde der VfL vor dem Frank­furter Tor aber nur selten.

Eine heik­le Sit­u­a­tion gab es auf der anderen Seite schon nach rund 19 Minuten. Eine Frank­furter Spielerin war auf dem Weg alleine in Rich­tung Bochumer Tor enteilt, als eine VfL-Spielerin von hin­ten in den Zweikampf ging. Von außen sah die Aktion zunächst gefährlich aus. Die Schied­srich­terin erkan­nte jedoch einen Bal­lkon­takt und ließ weit­er­spie­len. Auch Mali­nows­ki räumte nach der Par­tie ein, dass ihre Mannschaft in dieser Sit­u­a­tion dur­chaus etwas Glück gehabt habe.

GENTILE DIRIGIERT, ABER AUCH DER KAPITÄNIN FEHLT ZUNÄCHST DIE RUHE

Auch die neue Kapitänin Noe­mi Gen­tile (Bild oben | Foto: VfL Bochum Presse) fand erst spät richtig in die Par­tie. Trotz­dem war schon während der schwieri­gen ersten Hälfte zu beobacht­en, wie sie ver­suchte, ihrer Mannschaft Struk­tur zu geben. Immer wieder dirigierte sie ihre Mit­spielerin­nen, forderte sie auf, die Tiefe zu suchen und sich in den freien Räu­men anzubieten.

Ger­ade der Platz auf der linken Seite hätte dafür Möglichkeit­en geboten. Doch wie bei vie­len Bochumer Aktio­nen fehlten zunächst die Genauigkeit und manch­mal auch die Über­sicht, um daraus Kap­i­tal zu schlagen.

Kurz vor der Pause ver­suchte es Gen­tile selb­st mit einem direk­ten Freis­toß, set­zte diesen jedoch am Tor vor­bei. So ging es tor­los in die Kabinen.

MALINOWSKI: „WIR HABEN ES UNS UNNÖTIG SCHWER GEMACHT“

Nach dem Spiel bestätigte Trainer­in Kyra Mali­nows­ki (Bild) im Gespräch mit ellasnet.de viele der Ein­drücke aus der ersten Hälfte.

Kyra Malinowski ist die Trainerin der VfL Bochum Frauenmannschaft

„Ich glaube, wir haben es uns unnötig schw­er gemacht“, sagte Mali­nows­ki. Ihre Mannschaft sei zwar feldüber­legen gewe­sen, habe aber nicht immer die richti­gen Lösun­gen gefun­den. Beson­ders die vie­len freien Räume auf der linken Seite seien nicht aus­re­ichend genutzt worden.

In der zweit­en Hälfte habe ihre Mannschaft weit­er fokussiert gear­beit­et und zusät­zlich „noch ein biss­chen mehr Emo­tion­al­ität“ ins Spiel gebracht. Das 1:0 sei schließlich zum richti­gen Zeit­punkt gefall­en. Danach sei Frank­furt etwas auseinan­derge­brochen, und mit dem schnellen zweit­en Tre­f­fer sei die Par­tie prak­tisch entsch­ieden gewesen.

Beson­ders zufrieden zeigte sich Mali­nows­ki mit den Möglichkeit­en, die ihr der Kad­er inzwis­chen bietet. Die eingewech­sel­ten Spielerin­nen hät­ten erneut neuen Schwung und Qual­ität gebracht. Die Trainer­in machte dabei deut­lich, dass diese Bre­ite zu den Stärken der Mannschaft gehört: Woche für Woche müsse neu entsch­ieden wer­den, wer begin­nt – und let­ztlich werde jede Spielerin gebraucht.

Genau das war an diesem Nach­mit­tag zu sehen. Der VfL gewann dieses Spiel nicht nur mit sein­er Startelf, son­dern auch mit sein­er Bank.

ach drei Spielt­a­gen ste­hen damit drei Siege und neun Punk­te. Der VfL hat 9:1 Tore erzielt und führt auf­grund der besseren Tordif­ferenz vor der eben­falls noch ver­lust­punk­t­freien SGS Essen und dem SV Mep­pen die Tabelle an.

Und vielle­icht ist ger­ade dieses 4:0 inter­es­sant für die kom­menden Auf­gaben: Nicht alles funk­tion­ierte von Beginn an. Aber die Mannschaft blieb geduldig, steigerte sich und hat­te von der Bank genü­gend Qual­ität, um ein schwieriges Spiel am Ende sehr deut­lich für sich zu entscheiden.

BLICK NACH VORN: GENTILE KEHRT AN ALTE WIRKUNGSSTÄTTE ZURÜCK

Viel Zeit, sich über den gelun­genen Saison­start zu freuen, bleibt den Bochumerin­nen nicht. Am kom­menden Son­ntag wartet auswärts mit dem SC Sand die näch­ste anspruchsvolle Auf­gabe. Sand gewann zulet­zt 2:1 in Mönchenglad­bach und liegt mit sechs Punk­ten auf Rang vier – hin­ter dem noch ver­lust­punk­t­freien Spitzen­trio aus Bochum, Essen und Meppen.

Für Kapitänin Noe­mi Gen­tile wird die Par­tie zusät­zlich eine beson­dere sein: Von 2020 bis 2024 absolvierte sie ins­ge­samt 60 Pflicht­spiele für den SC Sand, davon 43 in der Bun­desli­ga. Nun kehrt sie erst­mals als Bochumer Kapitänin an ihre frühere Wirkungsstätte zurück.

Für den VfL dürfte es dort auch darum gehen zu zeigen, wie weit die Mannschaft wirk­lich ist. Drei Siege zum Auf­takt sind stark – doch Sand gehört zu den Teams, die unmit­tel­bar dahin­ter lauern. Ger­ade deshalb kön­nte dieses Auswärtsspiel ein erster echter Gradmess­er für die noch junge Sai­son werden.