VfL Bochum präsentiert neues Team: Viele gute Ansätze, junge Akteure mit Mut – und ein klarer Lerneffekt aus dem Vorjahr
Der VfL Bochum hat sich im Rahmen des Testspiels gegen eine Auswahl der Vonovia Allstars erstmals mit seinem neuen Gesicht präsentiert. Vor 2.531 Zuschauern im Vonovia Ruhrstadion nutzte Cheftrainer Uwe Rösler die Gelegenheit, zahlreiche Neuzugänge, Rückkehrer und junge Spieler aus dem eigenen Unterbau auf dem Spielfeld zu sehen. Am Ende stand ein deutlicher 8:0‑Erfolg der Profis – sportlich erwartbar, aber dennoch aufschlussreich.
Für ellasnet war Dimitrios Zachos vor Ort und beobachtete das Spiel aufmerksam und kritisch. Natürlich sollte man ein solches Testspiel gegen eine Amateur-Auswahl nicht überbewerten. Dennoch lassen sich gerade in diesen frühen Begegnungen erste Eindrücke gewinnen: Wer sucht Verantwortung? Wer zeigt klare Abläufe? Wer bringt Intensität, Ruhe oder Spielverständnis mit? Und welche jungen Spieler könnten perspektivisch näher an den Profikader heranrücken?
Erste Halbzeit: Mehr Kontrolle als Glanz
In der ersten Halbzeit lief der VfL mit mehreren externen Neuzugängen auf. Daniel Hanslik, Michael Steinwender und Enis Cokaj standen von Beginn an auf dem Platz. Dazu kamen unter anderem junge Akteure wie Aurel Wagbe und Mohammed Tolba.
Der VfL dominierte zwar erwartungsgemäß die Partie, tat sich vor dem Tor aber zunächst schwer. Die Vonovia Allstars verteidigten engagiert, warfen sich in viele Situationen und konnten sich vor allem auf ihre Torhüter verlassen. Erst kurz vor der Pause gelang Luis Pick die überfällige Führung.
Positiv auffällig war aus Sicht von ellasnet besonders Enis Cokaj. Er brachte Präsenz, Klarheit und eine gewisse Stabilität ins Spiel. Auch Michael Steinwender hinterließ einen ordentlichen Eindruck, nicht nur in der Spieleröffnung, sondern auch in defensiven Szenen. Daniel Hanslik zeigte in vielen Momenten bereits seine Stärken: Laufwege, Präsenz im Strafraum und den Willen, Abschlüsse zu suchen. Gleichzeitig waren bei ihm zwischendurch noch technische Fehler zu erkennen – nichts Ungewöhnliches in dieser frühen Phase der Vorbereitung, aber ein Hinweis darauf, dass Abstimmung und Rhythmus noch wachsen müssen.
Zweite Halbzeit: Mehr Tempo, mehr Tore, mehr Spielfreude
Vorher vereinabrt stand für die 2. Halbzeit für beide Teams jeweils ein anderes Team auf dem Platz. Der VfL wurde offensiver, zielstrebiger und vor allem effizienter. Philipp Hofmann traf dreimal, Alessandro Crimaldi zweimal, dazu kamen Treffer von Turudija, Pik und Berkan Taz.
Gerade Berkan Taz zeigte nach seiner Einwechslung einige vielversprechende Aktionen. Er suchte den Ball, brachte Dynamik ins Spiel und belohnte sich am Ende mit seinem Treffer zum 8:0. Auch Babis Drakas hinterließ einen positiven Eindruck. Seine Bewegungen, seine Haltung auf dem Platz und sein Spielverständnis ließen erkennen, dass er dem Spiel Impulse geben kann.
Besonders interessant war aber der Blick auf die jungen Spieler aus dem VfL-Unterbau. Alessandro Crimaldi überzeugte mit zwei Treffern und einer auffälligen Präsenz im Offensivspiel. Mohammed Tolba und Aurel Wagbe zeigten ebenfalls Ansätze, die Mut machen. Natürlich fehlt diesen Spielern noch Erfahrung auf höherem Niveau. Doch wenn sie in den erweiterten Kader aufgenommen werden, haben sie mit Uwe Rösler einen erfahrenen Trainer an ihrer Seite, der Entwicklung, Disziplin und klare Strukturen vermitteln kann.
Vonovia Allstars: Viel Herz, starke Torhüter
Auch wenn das Ergebnis am Ende deutlich ausfiel, verdienten sich die Vonovia Allstars Respekt. Gerade in der ersten Halbzeit hielten sie gut dagegen und verhinderten lange ein höheres Ergebnis. Besonders die Torhüter der Auswahl zeigten mehrfach starke Reaktionen. Zum Spieler des Tages wurde Mike Wroblewski gewählt – eine verdiente Anerkennung für einen Torhüter, der trotz vieler VfL-Chancen mehrfach glänzend parierte.
Solche Spiele haben ihren eigenen Wert. Für Amateurspieler ist es ein besonderer Moment, im Vonovia Ruhrstadion gegen Profis anzutreten. Für den VfL wiederum war es eine gute Gelegenheit, Abläufe zu testen, Spieler unter Wettkampfbedingungen zu sehen und den Fans erste Eindrücke des neuen Teams zu geben.
Der wichtigste Eindruck: Der VfL wirkt diesmal früher sortiert
Entscheidend ist weniger das Ergebnis als die Struktur dahinter. Im Vergleich zum Vorjahr wirkt der VfL Bochum in dieser frühen Phase besser vorbereitet. Die Verantwortlichen haben offenbar aus den Fehlern der vergangenen Saison gelernt und früh damit begonnen, Uwe Rösler bereits vor dem Trainingslager ein weitgehend komplettes Team zur Verfügung zu stellen.
Natürlich ist die Kaderplanung noch nicht abgeschlossen. Die Transferperiode, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und auch Vorgaben im deutschen Profifußball machen es keinem Verein leicht, bereits vor Saisonbeginn alle Positionen endgültig zu besetzen. Dennoch ist erkennbar: In diesem Jahr wurde früher, klarer und zielgerichteter gearbeitet.
Das ist für einen Trainer wie Uwe Rösler wichtig. Eine Mannschaft braucht Zeit, gemeinsame Abläufe, Hierarchien und ein Gefühl füreinander. Je früher der Kern des Kaders steht, desto besser kann ein Trainer seine Ideen vermitteln.
Fazit: Kein Maßstab, aber ein erster Fingerzeig
Ein Testspiel gegen die Vonovia Allstars ist kein sportlicher Maßstab für die kommende Saison. Dafür war der Unterschied zwischen Profis und Amateur-Auswahl zu groß. Aber es war ein erster Fingerzeig.
Enis Cokaj, Berkan Taz, Michael Steinwender und Babis Drakas hinterließen positive Eindrücke. Daniel Hanslik zeigte bereits viele seiner Stärken, auch wenn noch nicht alles sauber wirkte. Aus dem Nachwuchs machten vor allem Alessandro Crimaldi, Mohammed Tolba und Aurel Wagbe auf sich aufmerksam.
Der VfL Bochum hat noch Arbeit vor sich. Doch der erste Eindruck ist deutlich besser als vor einem Jahr: mehr Struktur, mehr frühe Planung, mehr Klarheit. Wenn es Uwe Rösler gelingt, daraus schnell eine funktionierende Einheit zu formen, könnte dieser frühe Sommerauftritt mehr gewesen sein als nur ein lockerer Test – nämlich ein erstes Signal, dass der VfL die richtigen Lehren gezogen hat.
Get-together nach dem Spiel: Der VfL sucht bewusst die Nähe
Nach dem Spiel endete der Nachmittag nicht einfach mit dem Abpfiff. Der VfL Bochum lud Spieler der beteiligten Mannschaften, Vereinszugehörige und Pressevertreter zu einem Get-together ein. Bei Erfrischungen und einem sehr ansprechenden Buffet ergab sich die Möglichkeit, abseits des Spielfeldes miteinander ins Gespräch zu kommen.
Für einen Verein wie den VfL Bochum ist gerade diese Nähe ein wichtiger Bestandteil seiner Identität. Es ging nicht nur um ein Testspiel, sondern auch um Begegnung, Austausch und ein Gefühl von Gemeinschaft. Spieler, Verantwortliche, Gäste und Medienvertreter konnten sich in entspannter Atmosphäre austauschen – ein Rahmen, der gut zum Charakter dieses besonderen Testspiels passte.
Auch aus Sicht von ellasnet war dieser Teil des Nachmittags bemerkenswert. Der VfL präsentierte sich nicht nur sportlich mit vielen neuen Gesichtern, sondern auch organisatorisch offen, gastfreundlich und verbindend. Gerade nach einer Saison, in der viele Themen kritisch diskutiert wurden, war spürbar, dass der Verein wieder stärker Zusammenhalt, Dialog und Aufbruch vermitteln möchte.
Solche Gesten wirken nach außen oft kleiner als Transfers, Testspielergebnisse oder taktische Fragen. Für die Atmosphäre rund um einen Verein sind sie jedoch nicht unwichtig. Der VfL Bochum zeigte an diesem Tag, dass er nicht nur eine neue Mannschaft formen, sondern auch wieder mehr Nähe zwischen Team, Umfeld und Öffentlichkeit schaffen möchte.
Von Dimitrios Zachos
ellasnet

