Fußball: Griechenland steht an einem Wendepunkt – jetzt darf diese Generation nicht verschenkt werden

Kolumne von Dimitrios Zachos
Kurz vor den bevorstehenden Endspielen für die Plätze 1–4 sizt die Enttäuschung bei uns Griechen noch tief. Wieder hat Griechenland die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft verpasst. Doch wer jetzt nur auf das Scheitern blickt, könnte übersehen, dass sich gerade eine einmalige Chance für den griechischen Fußball eröffnet.
Nach dem knappen Scheitern in der WM-Qualifikation war die Enttäuschung bei Spielern, Trainer Ivan Jovanović und den Millionen griechischen Fußballfans riesig. Natürlich wurden Fehler analysiert, taktische Entscheidungen hinterfragt und die Verantwortung diskutiert. Das gehört zum Fußball dazu.
Doch wenn wir ehrlich sind, greift es zu kurz, den Trainer allein für das Verpassen der Weltmeisterschaft verantwortlich zu machen.
Viel wichtiger ist die Frage, wohin sich der griechische Fußball in den kommenden Jahren entwickelt. Und genau hier bin ich so optimistisch wie schon lange nicht mehr.
Mit dem Wechsel von Christos Tzolis zum FC Arsenal hat einer unserer talentiertesten Nationalspieler den nächsten Schritt auf die ganz große Bühne gemacht. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise, dass Konstantinos Karetsas vor einem Wechsel zu Borussia Dortmund steht. Sollten beide dauerhaft bei diesen europäischen Spitzenvereinen Fuß fassen, wäre das weit mehr als nur zwei spektakuläre Transfers.
Es wäre ein Gewinn für die gesamte Nationalmannschaft.
Denn in der Premier League, der Bundesliga und der Champions League entwickelt man nicht nur seine fußballerischen Fähigkeiten weiter. Dort lernt man, mit Druck umzugehen. Dort wächst die Persönlichkeit. Dort entsteht die Mentalität, Spiele gewinnen zu wollen – unabhängig vom Gegner.
Genau diese Erfahrungen braucht Griechenland.
Mit Spielern wie Christos Tzolis, Konstantinos Karetsas, Giannis Konstantelias, Konstantinos Koulierakis, Christos Mouzakitis, Charalampos Kostoulas und weiteren jungen Talenten verfügt Griechenland über eine Generation, die das Potenzial hat, unserem Fußball über viele Jahre ihren Stempel aufzudrücken.
Jetzt liegt es an Ivan Jovanović, daraus eine echte Mannschaft zu formen.
Eine Mannschaft, die gegen kleinere Gegner nicht auf Fehler wartet, sondern selbst das Spiel bestimmt. Eine Mannschaft, die gegen die großen Nationen Europas nicht mit Respekt, sondern mit gesundem Selbstvertrauen auf den Platz geht. Und eine Mannschaft, die wieder eine klare Identität entwickelt – so wie wir sie einst unter Otto Rehhagel erlebt haben (Videoausschnitt aus dem Spiel der Europameistermannschaft gegen eine internationale Elf von Allstars in Essen im Juli 2024).
Eine Mannschaft, die gegen kleinere Gegner nicht auf Fehler wartet, sondern selbst das Spiel bestimmt. Eine Mannschaft, die gegen die großen Nationen Europas nicht mit Respekt, sondern mit gesundem Selbstvertrauen auf den Platz geht. Und eine Mannschaft, die wieder eine klare Identität entwickelt – so wie wir sie einst unter Otto Rehhagel erlebt haben (Videoausschnitt aus dem Spiel der Europameistermannschaft gegen eine internationale Elf von Allstars in Essen im Juli 2024).
Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2028 muss deshalb das erste Ziel sein. Aber sie darf nicht das einzige Ziel bleiben.
Warum sollte Griechenland nicht wieder groß denken?
Vielleicht fehlt uns im Moment noch der letzte Schritt. Vielleicht fehlt noch die Erfahrung auf höchstem Niveau. Genau deshalb sind die Entwicklungen von Tzolis und möglicherweise auch Karetsas so wichtig. Sie könnten Vorbilder für eine ganze Generation werden.
Kroatien hat vorgemacht, dass ein Land mit knapp vier Millionen Einwohnern mehrfach zu den besten Mannschaften der Welt gehören kann. Marokko hat bewiesen, dass Außenseiter mit Qualität, Leidenschaft und einem klaren Plan bis ins Halbfinale einer Weltmeisterschaft vorstoßen können.
Warum sollte Griechenland das nicht ebenfalls schaffen?
Die nächsten zwei Jahre werden entscheidend sein.
Nicht nur für Ivan Jovanović. Nicht nur für den Verband. Sondern für den gesamten griechischen Fußball.
Die Talente sind da.
Jetzt müssen wir endlich etwas daraus machen.
Denn eines wäre schlimmer als das verpasste WM-Ticket: Wenn wir in ein paar Jahren feststellen müssten, dass diese außergewöhnliche Generation ihre große Chance nie wirklich nutzen konnte.

