Europäischer Literaturpreis für Kiki Dimula — Biographie

Romiosi­ni, Köln 2008, ISBN 978–3‑929889–81‑9 (gefördert durch die Griechis­che Kulturstiftung).

Kiki Dim­u­la

Europäis­ch­er Lit­er­atur­preis für Kiki Dim­u­la — Biographie
Pünk­tlich zur Leipziger Buchmesse erscheint die erste umfassende Antholo­gie ihrer Gedichte in deutsch­er Sprache: Kiki Dim­u­la, Plöt­zlich wurde ich hell­hörig. Gedichte und der spielerische Mythos, Romiosi­ni, Köln 2008, ISBN 978–3‑929889–81‑9 (gefördert durch die Griechis­che Kulturstiftung).
Neben charak­ter­is­tis­chen Gedicht­en aus fast allen Samm­lun­gen des umfan­gre­ichen Werks der Dich­terin (erschienen im Athen­er Ikaros Ver­lag), enthält das Buch die kom­plette Über­tra­gung des “Spielerischen Mythos” –, alles in der Über­tra­gung der renom­mierten Lyriküber­set­zerin aus dem Griechis­chen Dadi Sideri-Speck:TRAUMERLEBNIS

Der Tag erwachte.
Er richtete sich auf Zehen­spitzen auf
und sah die Welt
noch in den Träu­men und den Zaubereien
der Nacht liegen. 

Er stieg auf Berge
glitt die Hügel hinunter
und stürzte auf die Stadt
in großer Eile. 

Er löschte die Straßenlaternen
erstick­te Schat­ten, die ver­bor­gen in Nischen
und Höfen waren
und nach­dem er unter den Menschen
Äng­ste und Prob­leme austeilte
gab er ihnen den Auf­trag, ihn zu Ende zu führen. 

Dann bemerk­te er meine Abwesenheit
(ich ver­han­delte noch im Traum
über ein Glück)
er öffnete mein geschlossenes Fenster
fiel mit seinem ganzen Gewicht auf mich

UND UNTERBRACH SOMIT MEINE VERHANDLUNG.

Kiki Dim­u­la gilt als die bedeu­tend­ste lebende Dich­terin Griechen­lands. In ihrem höch­st­beachtlichen Werk zeich­net sie sich durch ihre abstrak­te The­matik sowie durch ihre völ­lig unkon­ven­tionelle Schreib­weise aus. Die Welt von Kiki Dim­u­la ist die Span­nung zwis­chen dem Seien­den und dem Nicht-Seien­den. Diese Span­nung drückt sich in ihren The­men aus: Wer­den und Verge­hen, Zeit, Ver­schleiß und Ver­lust. Auch ihr anar­chis­ch­er Umgang mit der Sprache zeigt diesen Kon­flikt: Sie hat vor kein­er Regel Respekt, bedi­ent sich oft ungewöhn­lich­er Aus­drücke und kann gle­ichzeit­ig sarkastisch, grotesk und zärtlich sein.
Kiki Dim­u­la sagt zu sich: Ich bin kein denk­ender, eher ein nach­den­klich­er Men­sch, das heißt sowohl ein­er, der sich in sein­er Zer­streutheit über­raschen lässt, als auch ein­er, der in seinem Schick­sals­glauben unvol­lkom­men ist.
Dieses Zitat stammt aus ihrer Antrittsrede, anlässlich ihrer Auf­nahme in die Akademie, eigentlich ein Essay, das für die Quin­tes­senz ihrer Dich­tung gehal­ten wird, und im gle­ichen Jahr in Athen unter dem Titel O filopäg­mon mythos (Der spielerische Mythos) erschien.
Kiki Dim­u­la wurde 1931 in Athen geboren. Von 1949 bis 1973 arbeit­ete sie als Bankangestellte. 1954 heiratete sie den Dichter Athos Dim­u­las, welch­er im Jahre 1985 verstarb.
Ihre erste Gedicht­samm­lung Piima­ta (Gedichte) erschien 1952. Es fol­gten: Erevos (Fin­ster­n­is) Athen 1956, 1990; Erim­in (In Abwe­sen­heit) 1958, 1990; Epi ta ich­ni (Auf den Spuren) 1963, 1989; To ligo tou kos­mou (Das Wenige der Welt) 1971; To teleft­äo soma mou (Mein let­zter Kör­p­er) 1981, 1993; Chäre pote (Lebe wohl niemals) 1988; I efivia tis lithis (Die Jugend des Vergessens) 1994; Diese Gedicht­bände erschienen in dem Sam­mel­band Piima­ta (Gedichte) Athen 1998, 2005. Danach fol­gten: Enos lep­tu masi (Eine Gedenkminute zusam­men) 1998, 2004; Ichos apo­makrynseon (Klang der Ent­fer­nun­gen) 2001, 2005; Chloi thermokip­i­ou (Grünes aus dem Treib­haus) 2005; Metafer­thikame para­plevros (Nach nebe­nan ver­zo­gen) 2007. Im Jahre 2003 wurde sie, in Anerken­nung ihres poet­is­chen Werkes, zum ordentlichen Mit­glied der Akademie der Wis­senschaften in Athen gewählt. Ihre Antrittsrede, anlässlich der Auf­nahme in die Akademie, eigentlich ein Essays über die Dich­tung, erschien im gle­ichen Jahr in Athen unter dem Titel O filopäg­mon mythos (Der spielerische Mythos).
Im Jahre 2004 erschien ein Band mit älteren Kurzgeschicht­en unter dem Titel Ektos schediou (Außer­halb des Plans), Athen 2005. Übersetzungen:
Ihre Gedichte wur­den in mehrere Sprachen über­set­zt, darunter ins Englis­che, Franzö­sis­che, Dänis­che, Spanis­che, Ital­ienis­che, Schwedis­che. Eine Auswahl ihrer Gedichte aus ihrer Samm­lung “Eine Minute zusam­men” erschien auf deutsch im gle­ich­nami­gen Bänd­chen in der Über­set­zung von E. Kara­mount­zou, Frank­furt (axel diel­mann) 2001 und in den Antholo­gien: D. Sideri-Speck (Hrsg.), “Und ich, die nur wollte ich… Griechis­che Lyrik­erin­nen der Mod­erne”, Übers.: D. Sideri-Speck, Köln (Romiosi­ni) 1993; “Unter dem Gewicht der Wörter. Griechis­che Lyrik der Gegen­wart”, Übers.: D. Sideri-Speck, Köln (Romiosi­ni) 1999; Danae Coul­mas (Hrsg.) “Griechis­che Lyrik des 20. Jahrhun­derts”, Übers.: D. Sideri-Spec

Preise:
Preis der “Gruppe der Zwölf” (1963).
Griechis­ch­er Staat­spreis für Lyrik für “Das Wenige der Welt” (1972).
Griechis­ch­er Staat­spreis für Lyrik für “Lebe wohl niemals” (1989).
Preis Kostas und Eleni Urani der Athen­er Akademie für “Die Jugend des Vergessens” (1995).
Aris­teion Gram­ma­ton der Athen­er Akademie für ihr Gesamtwerk (2001).
Aris­teion – Europäis­ch­er Lit­er­atur­preis des Jahres 2010 für ihr Gesamtwerk.