SYMPOSIUM ‘11 “Bildungs- und (Mutter-) Spracherwerbskonzepte von Migrantengruppen”

Ort:Universität Duis­burg-Essen Stan­dort Essen Glas­pavil­lon Uni­ver­sitätsstr. 12
SYMPOSIUM ‘11 29.OKTOBER 2 0 1 1
“Bil­dungs- und (Mutter-)Spracherwerbskonzepte von Migranten­grup­pen”
— Per­spek­tiv­en, Prak­tiken und Auswirkun­gen -
Insti­tu­tionelle Förder­er:
Prof. Dr. K. F. Can­tone-ALT­IN­TAŞ
Rosel­la BENATI
Alfre­do Sánchez CASADO
Halit ÇELİKBUDAK
Mar­i­anne DEMMER
Prof. Dr. Elin FREDSTED
Prof. Dr. C. Alle­mann-GHION­DA
Zeynel KORKMAZ
Dr. Tatiana MATTHIESEN
Prof. Dr. Ver­nor MUÑOZ
Dr. phil. Maria A. NIKOLAIDOU
Şule ÖZKAYA
Fran­co RUINA
Anto­nio Lan­gari­ta SEVILLA
Gül­dane TOKYÜREK
Yücel TUNA
Prof. Dr. Gül­sün Ley­la UZUN
Sarah VESPERMANN
Doç. Dr. Kut­lay YAĞMUR
INITIATIVE ZUR FÖRDERUNG VON SPRACHE UND BILDUNG e.V.
Die Gaste
7. Pro­gramm
29. Okto­ber 2011
Sam­stag
10.30 Eröff­nungsre­den
Şule Özkaya (Türkische Gen­er­alkon­sulin in Essen)
Prof. Dr. Kat­ja F. Can­tone-Altın­taş (Stel­lv. für das Prorek­torat der Uni­ver­sität Duis­burg-Essen)
Sarah Ves­per­mann (Hans-Böck­ler Stiftung)
Dr. Tatiana Matthiesen (ZEIT-Stiftung Ebe­lin und Gerd Bucerius)
Gül­dane Tokyürek (Rosa-Lux­em­burg Stiftung)
11:30 Pause
12:00
I. Sitzung
Bil­dungs- und (Mut­ter-) Spracher­werb­skonzepte der Migranten­grup­pen ‑Eigen­er­fahrun­gen-
Rosel­la Benati (Geschäfts­führerin des ZMI)
Fran­co Ruina (Gesamtschule Francesco Petrar­ca)
Alfre­do Sánchez Casa­do (Bund der Spanis­chen Eltern­vere­ine e.V.)
Anto­nio Lan­gari­ta Sevil­la (Gruppe Spanis­che Sprache und Kul­tur-ALCE Ham­burg)
Dr. phil. Maria Anna Niko­laidou (Pri­vate Griechis­che Volkss­chule „Aris­tote­les“)
Yücel Tuna (Vor­sitzen­der der ATÖF)
Prof. Dr. Elin Fred­st­ed (Uni­ver­sität Flens­burg)
13:45 Pause
14:00 Prof. Dr. Gül­sün Ley­la Uzun (Uni­ver­sität Ankara/Türkei)
Halit Çelik­bu­dak (Hür­riyet Tageszeitung)
Doç. Dr. Kut­lay Yağ­mur (Uni­ver­sität Tilburg/Holland)
Zeynel Kork­maz (Die Gaste)
15:45 Pause
16:00
II. Sitzung
Die Rolle der Mut­ter­sprache im Deutschen Bil­dungssys­tem und die Bil­dung­sprob­lematik der
Migranten
Prof. Dr. Ver­nor Muñoz Vil­lalo­bos (ehe­ma­liger Son­der­berichter­stat­ter der UN zu Recht auf Bil­dung)
Prof. Dr. Kat­ja F. Can­tone-Altın­taş (Uni­ver­sität Duis­burg-Essen)
Mar­i­anne Dem­mer (2. Vor­sitzende der GEW)
Prof. Dr. Cristi­na Alle­mann-Ghion­da (Uni­ver­sität zu Köln)
19:00 Schluss
Ziel und Umfang des Sym­po­siums
Die ange­sagte Ver­anstal­tung set­zt sich zum Ziel die his­torischen Hin­ter­gründe, die
zu unter­schiedlichen Spracher­werbs- und Bil­dungskonzepten bei Migranten­grup­pen
geführt haben, zu erfassen; die Resul­tate und Auswirkun­gen zu ver­gle­ichen und
der Öffentlichkeit zu präsen­tieren; ihre mögliche Vor­bild­funk­tion für die Lösung des
Sprach­prob­lems zu kon­sta­tieren und somit Zukun­ftsper­spek­tiv­en zu erschließen.
Aus wis­senschaftlich­er Sicht ist es erwiesen, dass die Mut­ter­sprache den frühkindlichen
Spracher­werb und die kog­ni­tive Entwick­lung entschei­dend prägt. Fol­glich
bleibt ein bil­dungssprach­lich­er Entwick­lungs­stand in der Mut­ter­sprache die Voraus­set­zung
für den Erwerb der Zweit­sprache. Migrantis­che Vorstel­lun­gen, Forderun­gen
und die Ergeb­nisse Ihrer Betä­ti­gun­gen zur Stärkung der Mut­ter­sprache, sowie die
Voraus­set­zun­gen für die frühkindliche Mut­ter­sprachen­förderung in Deutsch­land,
müssen weit­ge­hend präzisiert wer­den. Die Tagung sieht daher die the­ma­tis­che Abhand­lung
hiesiger Bedin­gun­gen und ihrer Entwick­lungspo­ten­tiale im Kon­text inter­na­tionaler
Mehrsprachigkeits­forschung vor.
Im Rah­men bilat­eraler Anwer­be­abkom­men sind ab der Mitte der 50er Jahre, ver­mehrt
aus ver­schiede­nen europäis­chen Län­dern und anschließend auch aus anderen
Regio­nen der Welt, Arbeit­skräfte nach Deutsch­land einge­wan­dert, um den Arbeit­skräfte­man­gel
der deutschen Indus­trie aus­gle­ichen zu kön­nen. Der Beschäf­ti­gung
aus­ländis­ch­er Arbeit­nehmer lag die Immi­gra­tion nicht als poli­tis­che Pro­gram­matik
zu Grunde, son­dern es wurde ihre Rück­kehr in die Herkun­ft­slän­der vorge­se­hen.
Im Ver­lauf der Jahrzäh­nte entwick­elte sich der Dauer­aufen­thalt den­noch zu einem
Migra­tionsprozess, in dessen Folge die Lebensen­twürfe der Migranten­grup­pen sich
schw­er­punk­t­mäßig auf Deutsch­land konzen­tri­erten.
Geplante oder sich eigen­dy­namisch gestal­tende Lebensen­twürfe umfassten beson­ders
ab den 70er Jahren, speziell durch den „Fam­i­li­en­nachzug“ und durch die Beschu­lung
von Kindern und Jugendlichen aus aus­ländis­chen Fam­i­lien, auch den Bere­ich
Bil­dung und Erziehung. Erste Erfahrun­gen mit und Ansicht­en über das deutsche
Schul­sys­tem bilde­ten sich allmäh­lich her­aus.
Sowohl die Fest­stel­lung beste­hen­der schulis­ch­er Prob­leme, als auch die Ungewis­sheit
über die Aufen­thalts­dauer bes­timmten die Inten­tion und die inhaltliche
Aus­rich­tung des bil­dung­sori­en­tierten Engage­ments der Migranten­grup­pen. Das
Engage­ment führte unter anderem ‑z.T. mit Hil­fe der Behör­den oder zivil­er Ein­rich­tun­gen-
zur Grün­dung von Schulen und Kindergärten, sowie zur Durch­führung von
Spracher­werb­smod­ellen und Bil­dung­spro­jek­ten. In ihrer neg­a­tiv­en Aus­rich­tung
kon­nten sich die Bil­dung­se­in­stel­lun­gen bes­timmter Migrantenge­mein­schaften
jedoch nicht in ihren Aktiv­itäten wider­spiegeln. So ent­standen ab den 70er Jahren
Kindergärten und Schulen der größten Migranten­grup­pen, der Ital­iener, Spanier,
Griechen und Türken, die auf langjährige Erfahrun­gen in den Bere­ichen Bil­dung,
Erziehung und Sprach­förderung zurück­blick­en kön­nen. Die griechis­chen Schulen
wur­den mit Hil­fe des griechis­chen Staates gegrün­det und bieten unter anderem die
Hochschul­reife an. Obwohl die Grün­dung sep­a­rater türkisch­er Schulen nicht stat­tfand,
wur­den türkische Kinder bis Mitte der 90er Jahre z.T. in Klassen ver­sam­melt,
in denen bis zur 10. Klasse alle Unter­richts­fäch­er auss­chließlich in Türkisch gehal­ten
wur­den. Der Schu­la­b­schluss entsprach dem­nach einem Hauptschu­la­b­schluss in
Deutsch­land. Weit­ere, vielfältige und gegen­wär­tig wach­sende Betä­ti­gun­gen und
Ini­tia­tiv­en ein­er Vielzahl von Eltern- und Lehrervere­ini­gun­gen und ander­er Ein­rich­tun­gen
sind deutsch­landweit zu reg­istri­eren, die sich haupt­säch­lich der Wahrung
kul­tureller Iden­tität oder der gesellschaftlichen Inte­gra­tion in Deutsch­land wid­men.
Angesichts fol­gen­re­ich­er Bil­dungs- und Sprachde­fizite, die im langjähri­gen Ein­wan­derung­sprozess
zu kon­sta­tieren sind und heute im Kon­text der Inte­gra­tion auf ein
ein­dringlich­es Prob­lem hin­weisen, beste­ht der Bedarf der wis­senschaftlichen Aufk­lärung
der bish­eri­gen Prak­tiken und Meth­o­d­en der Migrantenge­mein­schaften und
staatlich­er Behör­den, mit dem Ziel der Erar­beitung adäquater Lösun­gen und der
Entwick­lung von Zukun­ftsper­spek­tiv­en. Die ange­sagte Ver­anstal­tung bietet diese
Möglichkeit­en an.
In der öffentlichen Debat­te um Inte­gra­tion wird sowohl der Sprachkom­pe­tenz als
auch dem Bil­dungsin­ter­esse der Migranten eine beson­dere Rolle zugewiesen. Die
Kul­tus­min­is­terkon­ferenz (KMK) betont im Okto­ber 2010 im Gespräch mit den Migrantenor­gan­i­sa­tio­nen,
dass die Inte­gra­tion eine “Auf­gabe von Schulen“ ist. Aus diesem
Grund ist die Unter­suchung bil­dung­sori­en­tiert­er Aktiv­itäten der Migranten­grup­pen
nach ihrem Inte­gra­tions­be­mühen erforder­lich. Die Erforschung des Inte­gra­tionsansatzes
am Beispiel der Bil­dungsini­tia­tiv­en der Migranten­grup­pen wird daher den
weit­eren the­ma­tis­chen Schw­er­punkt der ange­sagten Ver­anstal­tung bilden. Hier­aus
resul­tierende Befunde sollen zur Ver­sach­lichung der öffentlichen Debat­te um die
Moti­va­tion gesellschaftlich zu inte­gri­eren­der Gemein­schaften beitra­gen und somit
die all­seit­ige Sen­si­bil­isierung und die gemein­same Lösungssuche vorantreiben.
Das Sym­po­sium “Bil­dungs- und (Mutter-)Spracherwerbskonzepte von Migranten­grup­pen
‑Per­spek­tiv­en, Prak­tiken und Auswirkun­gen-” sieht für den Tagungsver­lauf und im
Rah­men sich her­auskristallisieren­der Befunde eine Diskus­sion­srunde vor, in der die
Real­isier­barkeit des Deutscher­werbs auf der Basis der Mut­ter­sprache für die Alters­gruppe
der 3–7 Jähri­gen behan­delt wer­den soll. Inter­essierten Kreisen, zum Beispiel
sowohl für laufende Pro­jek­te, als auch für noch in der Pla­nung befind­liche Ini­tia­tiv­en,
soll auf der Grund­lage der wis­senschaftlichen Befunde und Experten­empfäh­lun­gen,
bei der Entwick­lung adäquater Spracher­web­skonzepte eine Per­spek­tive geboten
wer­den. Die geplante Pub­lika­tion der Tagungsergeb­nisse wird als eine wichtige Quelle
die weit­ere Ori­en­tierung ermöglichen.