40 Jahre Deutsch-Griechische Gesellschaft

Jür­gen Jentsch

40 Jahre Deutsch-Griechis­che Gesellschaft

 

Wir als Deutsch-Griechis­che Gesellschaft Güter­sloh nehmen das runde Datum zum Anlass zurück­zublick­en. Vor 50 Jahren, am 30. März 1960 trat das Abkom­men zur Anwer­bung von Gas­tar­beit­ern zwis­chen dem dama­li­gen Kön­i­gre­ich Griechen­land und der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land in Kraft, um dem deutschen Wirtschaftwun­der neue Arbeit­skräfte zuzuführen.

 

Und sie kamen in Scharen. Denn in Griechen­land herrschte, wie in vie­len anderen europäis­chen Län­dern auch, die Masse­nar­beit­slosigkeit. Und so kamen ins­beson­dere die ungel­ern­ten und kaum aus­ge­bilde­ten Men­schen aus den ärmeren Regio­nen dieses Lan­des zu uns, um ihren zurück­ge­bliebe­nen Fam­i­lien das Über­leben zu garantieren. Alle­in­ste­hende Frauen und Män­ner, mit den Willen hart zu arbeit­en, schnell Geld zu ver­di­enen, um dann wieder zurück in die Heimat zu ihren Fam­i­lien zurück­zukehren. Viele träumten von einem kleinen Häuschen, von ein­er eige­nen Existenz.

 

Und die Poli­tik­er und Unternehmen träumten von bil­li­gen Gas­tar­beit­ern, die eben mal das hiesige Brut­tosozial­pro­dukt erhöhen soll­ten, um dann schle­u­nigst wieder zu ver­schwinden. Statt Men­schen erwartete man Robot­er, men­schliche Maschi­nen ohne einen Anspruch auf ein Zusam­men­leben mit der hiesi­gen Bevölkerung. Dabei soll­ten kleine Geschenke wie Mope­ds oder preiswerte, schnell errichtete Behelf­sheime auf dem, oder neben dem Fir­men­gelände, den Anstrich eines sozialen Aspek­tes geben.

 

Nur für bei­de Seit­en ging diese Rech­nung nicht auf. Viele der Griechin­nen und Griechen sind geblieben. Sie holten ihre Frauen und Män­ner und Kinder nach. Beka­men hier Kinder und leben mit­tler­weise in der vierten Gen­er­a­tion in ihrer neuen zweit­en Heimat. Sie grün­de­ten griechis­che Schulen, Kirchen‑, Sport- und Kul­turvere­ine. Ja, sie hat­ten sich trotz aller Unzulänglichkeit­en in ihrer zweit­en Heimat ein­gelebt, oder bess­er noch angepasst.

 

Katas­trophal aber die Auswirkun­gen des poli­tis­chen Nichthandelns. Das nicht wahrhaben wollen, dass Deutsch­land damit zu einem Ein­wan­derungs­land gewor­den war. Man drück­te sich davor für die Men­schen, die man ins Land geholt hat­te Ver­ant­wor­tung zu übernehmen. Notwendi­ge Voraus­set­zun­gen, wie Spra­chunter­richt oder gar das Aufwach­sen der jun­gen Men­schen in ihrer Zweis­prachigkeit in den Schulen als die große Chance zu begreifen, blieben in den Kinder­schuhen stecken.

 

Natür­lich gab es auch hier Aus­nah­men. Unternehmen, die in den ank­om­menden Men­schen sahen, denen man beis­te­hen musste. Nach­barn und Organ­i­sa­tio­nen, die sich in ihrer Freizeit um die Sor­gen und Nöte küm­merten ihrer neuen Mit­men­schen küm­merten. Sie wur­den zu Ansprech­part­nern, während das offizielle Deutsch­land immer weit­er an ihrer Lebenslüge fes­thielt. Zu denen, die sich dieser Men­schen, die nicht nur auf Grund der Ver­ständi­gung­sprob­lem Schwierigkeit­en hat­ten, annah­men, gehörte auch die Deutsch-Griechis­che Gesellschaft in Güter­sloh. Denn ger­ade Güter­sloh war ein­er der Schw­er­punk­te der griechis­chen Einwanderung.

 

1971 als Vere­in gegrün­det ist sie bis heute das Bindeglied zwis­chen Griechen und ihren Vere­inen und den inter­essierten Deutschen geblieben. Und stellt sie sich auch weit­er ihrer Ver­ant­wor­tung. Auch in der jet­zi­gen selb­st­gemacht­en poli­tis­chen Krise Europas.

Denn inzwis­chen ver­stößt jedes Land gegen die ein­mal normierten Kon­ver­gen­zkri­te­rien. Immer noch aber ziehen diese Ver­stöße keine Sank­tio­nen nach sich. Gegen den dominieren­den Min­is­ter­rat hat das Par­la­ment keine Chan­cen. Lei­der hat sich auch der Europäis­che Gericht­shof auf die Seite der Regierun­gen gestellt und die vom Par­la­ment beantragten Straf­maß­nah­men abgelehnt. Das heißt Europa muss weit­er mit seinen haus­gemacht­en vielfachen Krisen­her­den leben. Allerd­ings würde eine Abschaf­fung des Euro wieder zum Rück­fall rein­er Nation­al­staat­en führen und die gesamte Wirtschaft beein­trächti­gen. Deutsch­land hätte dabei wohl die schlecht­esten Karten und würde weltweit isoliert.

 

Natür­lich hat Griechen­land seit Jahrzehn­ten über seine Ver­hält­nisse gelebt. Eine kor­rupte und aufge­blähte Ver­wal­tung, zu frühe und zu hohe Renten, keine Kon­trolle der Auszahlun­gen sind nur einige der vie­len unsin­ni­gen Sub­ven­tio­nen, die eine schon krim­inell zu nen­nende Poli­tik ange­häuft hat. Kein­er hat jemals darüber nachgedacht wie denn die Schulden getil­gt wer­den sollen.  Es war ja so ein­fach sich das fehlende Kap­i­tal vom Finanz­markt zu holen. Dabei hat sich dieses inter­na­tionale Finanzierungssys­tem immer sehr großzügig gezeigt. Und die Speku­lanten haben mit Unter­stützung der Regieren­den von Deutsch­land und Frankre­ich Riesen­prof­ite einge­fahren. Inzwis­chen sind die deutschen Banken mit etwa ein­er dreivier­tel Bil­lio­nen Haupt­gläu­biger der Krisen­staat­en wie Griechen­land, Spanien, Por­tu­gal und Irland. Allein Griechen­land muss für die jet­zt fäl­li­gen Rück­zahlun­gen bere­its in diesem Jahr 30 Mrd. € auf­brin­gen und das bis 2019 weit­er ansteigend. Wie das gehen soll weiß zurzeit kein­er. Auch die deutsche Bun­desregierung nicht. Denn durch das aufgelegte strik­te Sparpro­gramm entste­he nun ein Teufel­skreis. Weniger Einkom­men erzeugt weniger Kaufkraft, belastet so  das Wirtschaftswach­s­tum und es führt zu weniger Steuere­in­nah­men. Wie hier ein Schulden­ab­bau stat­tfind­en soll weiß kein­er. Bei 350 Mrd. Euro Schulden hil­ft nur wirk­lich ein entsprechen­der Schulden­er­lass durch die Gläu­biger. Damit reduziert sich die hor­rende  Zin­szahlung und bringt so eine erhe­bliche Entlastung.

 

Und ich sage ganz deut­lich, dass es ein zurück in nationale Währun­gen und damit wieder zur Nation­al­staatlichkeit nicht geben kann. Auch wenn sich der ein­seit­ige his­torische Glücks­fall eines vere­in­ten Europas auf Grund poli­tis­ch­er Fehlentschei­dun­gen zu ein­er der größten Krisen seit ihrem Beste­hen aus­geweit­et habe, muss Europa auch kün­ftig vere­int, als Friedens­garant und Export­meis­ter und damit als Schw­ergewicht, gegen die anderen Wirtschaftswelt­mächte auftreten. Wir sehen doch, wie gierig andere Staat­en, siehe Chi­na, die Hand auf lukra­tive Geschäfte ausstreckt. Von daher sind jet­zt endlich die nationalen Par­la­mente gemein­sam mit dem Europa­parla­ment gefordert, entsprechende Lösun­gen zu find­en, zu der die Regierun­gen bish­er nicht fähig waren. Außer­dem müssen endlich auch die Verur­sach­er dieser Krise bestraft und mit ihrem ange­häuften Ver­mö­gen haften. Es kann nicht sein, dass immer wieder allein nur die Bürg­erin­nen und Bürg­er die Lei­d­tra­gen­den und Opfer poli­tis­chen Entschei­dun­gen sind.

 

Sie sehen, wir haben noch viele unruhige Zeit­en vor uns. Aber wir wis­sen auch, dass wenn wir heute hier gemein­sam feiern kön­nen,  ist das auch eine der Auswirkun­gen des freien Europas. In dem Sinne viel Spaß.