Griechen feiern Theofaneia — Segnung der Gewässer

Der Jan­u­ar hat es für die Griechen in sich. In kaum ein zweites Land auf der gesamten Welt, wid­men sich die Men­schen den christlichen Rit­ualen der Epiphanie (The­o­fa­nia), wie die Griechen ortho­dox­en Glaubens. Die Taufe Jesu Christi durch Johannes, feiert die griechis­che ortho­doxe Kirche seit Jahrhun­de­ten jedes Jahr am 06.Januar. Den in Griechen­land leben­den Griechen ist es bere­its zur Tra­di­tion gewor­den, wenn an diesem Tag der The­o­fa­nia, die Gemein­de­priester die Messe ans Meer ver­legen. Dort, oder im lan­desin­neren an Flüssen und Seen, wirft er das Kreuz, was Jesu Christi sym­bol­isiert, in das Meer.  Mutige Gläu­bige trotzen der Kälte, sprin­gen in das kalte Wass­er und suchen dort das Kreuz. Die Anwe­sen­heit der Gläu­bi­gen ortho­dox­en Chris­ten bei dieser Zer­e­monie und der Ver­such das Kreuz aus dem Wass­er zu holen, sym­bol­isiert den fes­ten Glauben an Jesus Chris­tus und an die wahre Über­liefer­ung der Taufe. Es ist aber auch ein sym­bol­is­ches Rit­u­al alle Gewäss­er zu seg­nen und den Men­schen daran zu erin­nern, diese Schöp­fun­gen Gottes beson­ders zu acht­en und zu wahren.

In den früheren Jahren haben sich die kirch­lichen Gemein­den der Griechen in Deutsch­land nicht getraut, eine solche Liturgie  mit­ten im deutschen Win­ter im Freien abzuhal­ten. Mit weni­gen Aus­nah­men. In Deutsch­land zählt der 06.01. nicht bun­desweit als Feiertag und die griechis­chen Kirchenge­mein­den außer­halb Bay­erns und Baden-Würt­tem­bergs, ver­legten die Zer­e­monie bish­er auf darauf fol­gende Son­ntage, um möglichst viele Arbeit­nehmer die Teil­nahme an der Liturgie zu ermöglichen. So ist es zu erk­lären, warum alle ortho­dox­en Griechen nicht am 06.01. gemein­sam feiern kön­nen. Aber am ver­gan­genen Woch­enende kon­nte nun auch die let­zten Seg­nun­gen bun­desweit vorgenom­men werden.

The­o­faneia in Düsseldorf

In diesem Jahr beobachteten wir, wie immer mehr Kirchenge­mein­den sich den Brauch in Griechen­land annäh­ern woll­ten. So freuten sich viele gläu­bige Griechen auf  die “Open Air” Ver­anstal­tun­gen ihrer Kirchen. In München diente dafür die Isar, in Düs­sel­dorf der Ben­rather See, in Berlin die Spree und in Ham­burg die Elbe um hier nur einige Städte zu nen­nen. Andere Gemein­den wählten ein Hal­len­bad und andere wiederum übten die Liturgie wie gewohnt im Kirchen­haus ihrer Gemein­den aus.Neu, und für uns deshalb auch sehr inter­es­sant, ist das große Inter­esse der Medi­en und der Men­schen dieses Lan­des an unseren Rit­ualen. Nicht zulet­zt durch die Öff­nung der Liturgien, die nun für jeden sicht­bar nach Außen getra­gen wurden.

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The­o­faneia in Ham­burg. Bild: Gabriele Fölsch

In Ham­burg sprach Erz­priester Geor­gios Manos, Pfar­rer der griechisch-ortho­dox­en Gemeinde in Ham­burg, seine Liturgie wohl deshalb auch zum Teil in deutsch­er Sprache. In Anwe­sen­heit der schwedis­chen Gemeinde, dem katholis­chen und evan­ge­lis­chen Bischof der schö­nen Hans­es­tadt, war es eine von uns befür­wor­tende, ja nachah­menswerte Aktion. So fühlten sich näm­lich Beobachter ander­er Reli­gio­nen und Natio­nen über die Ver­anstal­tung gut informiert und waren als Teil in der gesamten Zer­e­monie integriert.

Die Seg­nung der Gewäss­er in München fand in Anwe­sen­heit sein­er Emi­nenz Met­ro­po­l­iten von Deutsch­land und Zen­traleu­ropa Augusti­nos, Bischof Dr. Rein­hard Marx, Lan­des­bischof Dr. Johannes Friedrich, Bürg­er­meis­ter Chris­t­ian Ude und weit­ere Promi­nente aus Kirche und der Poli­tik statt. Auch dort sorgten regionale Medi­en­vertreter für ungewöhn­lich aktuelle Berichte in den Tageszeitun­gen, was ihren Lesern wohl auch zu inter­essieren scheint, will man die uns über­mit­tel­ten Klicks ihrer Onlineredak­tio­nen glauben.

Sotiria aus Kamen

In Dort­mund wurde der Anlass gle­ich dop­pelt genutzt. Archi­man­drit Filoth­e­os Maroudas nutzte die Lage eines Ver­anstal­tungszen­trums mit Zugang zu einem Schwimm­bad aus. Nach der Liturgie führte ein nur 10 m langer Gang vom Schwimm­beck­en aus direkt in den großen Fest­saal des Diet­rich-Keun­ing Haus­es, wo in Dort­mund fast alle griechis­chen Vere­ine ihre Festver­anstal­tun­gen durchführen.
Um das Schwimm­beck­en herum ver­sam­melten sich zunächst aber über 600 Men­schen, die diese Pre­miere in Dort­mund vol­er Erwartun­gen miter­leben woll­ten. Im Gegen­satz zu vie­len anderen, ins­beson­dere im Freien stat­tfind­en­den Zer­e­monien, begaben sich hier, wie in Griechen­land üblich, Men­schen in das Wass­er. 16 männliche und 2 weib­liche Schwimmer/innen war­fen sich in das Beck­en, als der Archi­man­drit dort das Kreuz hinein warf und die weiße Taube als Sym­bol des heili­gen Geistes, welch­es während der Taufe Jesu Christi erschien, seine Hand verließ.
Die 15-jährige Sotiria aus Kamen war let­z­tendlich die glück­liche Find­erin und alle freuten sich mit ihr. Sie erhielt ein gold­enes Kreuz umge­hängt und an den Gesichtern aller Beteiligten war die Freude über dieses erst­ma­lige Ereig­nis anzuse­hen. “Unsere Heimat ist uns damit noch ein wenig näher gekom­men”, sagte der Grieche Spy­ros und ver­schwand schnell in Rich­tung Festsaal.

Das war auch nötig so. Denn sekun­den­schnell waren dort alle vor­bere­it­eten 500 Stüh­le belegt, weit­ere 200 Men­schen impro­visierten und weit­ere 150 ver­ließen ent­täuscht das Geschehen. Ein stim­mungsvolles Fest begann, die Live Musik erre­ichte die Men­schen und hielt sie auf die Tanzfläche bis in die frühen Mor­gen­stun­den. Neben sehr leck­eren Sou­vla­ki gab es, was bei solchen Ver­anstal­tun­gen sel­ten vorkommt,  “Koko­ret­si” und Häh­nchen mit Beila­gen zu essen und so war es nicht ver­wun­der­lich, wenn Arch­man­drit Maroudas und seine Gemeindehelfer/innen mit Dankesworten für diese gelun­genen Tag von Gläu­bi­gen aus dem gesamten Ruhrge­bi­et über­häuft wurden.

(Bilder:Ingo Nowak)

Mehr Bilder aus der Ver­anstal­tung in Dort­mund unter:
http://www.orthodoxie.net/dortmund/gallarie/2010-Agiasmos/index.html