Deutschlands Griechen sollten sich schämen

(Jan­nis Goudoulakis, wiedergewählter Vor­sitzen­der des Inte­gra­tionsrates von Lev­erkusen)

Die völ­lige Bla­m­age war es nicht. Doch seit dem let­zten Woch­enende dürften die Griechen in Nor­drhein-West­falen die große Chance für Mit­gestal­tung, Mitbes­tim­mung und Wahrung griechis­ch­er Inter­essen ver­passt haben.

Das ist typ­isch und irgend­wann, wenn es zu spät ist, wer­den wieder Ver­schwörun­gen ver­mutet.  Dann näm­lich, wenn die eige­nen Inter­essen in einem mul­ti­kul­turellem Europa keinen mehr inter­essieren und die Griechen wieder über­gan­gen wer­den, wenn wichtige Entschei­dun­gen über das Leben in Deutsch­land anste­hen.

Obwohl Deutsch­land und hier ist ins­beson­dere Nor­drhein-West­falen zu nen­nen, allen einge­bürg­erten Men­schen und vie­len Aus­län­dern die Chance ein­räu­men, sich als ein Teil ein­er gle­ich­berechtigten Gesellschaft zu zeigen, wer­den Griechen und andere Aus­län­der erst wieder wach, wenn wieder etwas zu meck­ern gibt. Dann aber wird es zu spät sein, denn sie haben am ver­gan­genen Son­ntag nicht gewählt.

Dabei leben viele von ihnen in Deutsch­land länger als sie eigentlich geplant haben, eine ordentliche Anzahl von ihnen sind einge­bürg­ert und haben Deutsch­land zu ihrer „Wahlheimat“ erk­lärt. Warum dann  dieses Desin­ter­esse?

War der Ter­min nicht allen bekan­nt? Vielle­icht, denn die griechis­chen Medi­en haben sich mit Zurück­hal­tung gegen­seit­ig über­boten. Und bei einem groß angekündigtem Tre­f­fen von wichti­gen Griechen in München soll­ten aktuelle The­men und gemein­same Ziele der Griechen disku­tiert wer­den. Selt­sam nur, dass über die Inte­gra­tionsräte und den anste­hen­den Wahlen kein Wort ver­loren wurde. Denn der Zeit­punkt kurz vor den Wahlen wäre ide­al gewe­sen.

Wo waren viele griechis­che Ver­bände und viele griechis­che Vere­ine? Sie alle haben den Zeit­punkt ver­passt, ihre griechis­chen Land­sleute, einge­bürg­ert oder nicht, etwas inten­siv­er über die Wahlen zu informieren. Viele von ihnen sind aber die ersten, die keinen Ter­min vergessen, Antrag auf Zuschüsse für Inte­gra­tions­maß­nah­men zu stellen.

Nehmen wir mal einige griechis­che Hochbur­gen Deutsch­lands unter die Lupe, die zufäl­lig auch in Nor­drhein-West­falen sind. Desaster in Köln, Düs­sel­dorf, Hagen, Wup­per­tal und im Ruhrge­bi­et. In allen diesen Hochbur­gen find­en sich mit Alexan­dros Chris­toudas in Ober­hausen und Kiri­akos Kourt­sidis in Düs­sel­dorf  nur 2 Griechen in den gewählten Räten ihrer Städte. Das trau­rige ist aber, dass nicht viel mehr kan­di­diert haben. In Hagen haben über 4500 Griechen nicht ein­mal den Vor­sitzen­den ihrer griechis­chen Gemein­den unter­stützt.

Den­noch gibt es helle Licht­blicke. In Lüden­scheid und Güter­sloh, in Gevels­berg und Lev­erkusen, wo Jan­nis Goudoulakis schon seit Jahren den Vor­sitz innen hat und mit einem sehr gutem Ergeb­nis wiedergewählt wurde. Ins­ge­samt haben NRW-weit mehr als 20 Griechen einen Sitz in ihren Räten erhal­ten und wollen sich für ein aus­ge­wo­genes Miteinan­der der ver­schiede­nen Kul­turen ein­set­zen.

Die Redak­tion von ellasnet.de hat im Vor­feld der Wahlen, als einzige der griechis­chen Medi­en in Deutsch­land ver­sucht, für die Inte­gra­tionswahlen mehr Griechen zu erre­ichen. Unser Glück­wun­sch geht an die gewählten.

Auch wenn die Wahlbeteili­gung dies­mal nicht annäh­ernd an unsere Erwartun­gen her­ankam, wir wer­den uns weit­er­hin für die Mit­gestal­tung unser­er Städte in Deutsch­land ein­set­zen.

Bild Quelle: www.leverkusen.com

7 Gedanken zu „Deutschlands Griechen sollten sich schämen

  • 11. Februar 2010 um 09:42
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    Liebe Ellas­net-Redak­tion,

    es ist in der Tat ein Armut­szeug­nis, dass man sich für solche äusserst wichtige The­men­bere­iche nicht inter­essiert.
    Ich habe dank Ellas­net über die Wahlen zum Inte­gra­tionsrat erfahren und habe per Briefwahhl gewählt. Da es in mein­er Stadt keine griechis­che Vertre­tung gab, sah ich mich gezwun­gen, auf Alter­na­tiv­en auszuwe­ichen.

    Ein gross­es Lob an die Redak­tion und ihr Werk!

    Beste Grüsse,
    M. Geron­topoulou

  • 11. Februar 2010 um 10:08
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    Hal­lo,

    frankly spoekn — offene Worte, hart aber zutr­e­f­fend, will mir scheinen!

    Seit über 20 jahren segle ich in Gruiechenkand, habe Jahr für jahr Monate dort ver­bracht und auch zulet­zt 16 Monate auf kos gelebt.
    Frus­tri­ert bin ich wieder gegan­gen und werde GR nur noch als “Urlauber” erleben.
    Igno­ranz, Selb­s­ther­rlichkeit und vor allem Ego­is­mus und Egozen­tris­mus herrschen vor — wo es was abzukassieren gibt, sind sie alle vorne­dran, geht es ums “Ganze”, gesellschaftlich­es Mitwirken, sieht man sie schwatzen, … und auf die anderen deuten.…

    Beispiel: ich beklagte gegenüber einem Griechen den über­all herum­fliegen­den Müll, Plas­tik­tüten, Cola­dosen, haus­müll an jed­er Ecke. “Ja genau” stimmt er mir zu “da macht kein­er was”, udn warf seine Kippe neb­st eigen­er Coladose…aus dem Aut­ofen­ster…

    Die aktuellen Proteste viel­er Griechen gegen Kürzun­gen sind auch so ein Beispiel — das Land ist de fac­to pleite.
    Und was machen die Griechen?
    Ansprüche anmelden… statt sich der Prob­leme zu stellen, die Ver­ant­wortlichen endlich mal zur Rechen­schaft zu ziehen, Vet­tern­wirtschaft und Beamten­klün­gelei SELBST nicht mehr zu akzep­tieren und auch nicht mehr in Anspruch zu nehmen.…(siehe SZ Artikel vor eini­gen Tagen) — solange das sich nicht ändert, wird es in GR mehr und mehr Prob­leme geben und es ist wirk­lich fraglich, wie lange sich die EU der­ar­tiges Ver­hal­ten leis­ten kann und will und wird.
    Schade…

    *kopf­schüt­tel*

  • 11. Februar 2010 um 14:00
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    Erst mal Grat­u­la­tion ‚das ihr so ein wichtiges The­ma anspricht .
    Ein Satz nur.
    Das sind Griechen und kein Hel­lenen.…..
    .….…?

  • 11. Februar 2010 um 14:36
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    Als vor­sitzen­der eines griechis­chen Vere­ins sage ich, es ist in der Tat ein Armut­szeug­nis was wir Griechen an Desin­ter­essen hier in Deutsch­land zeigen!
    Die Ursachen sind mir rät­sel­haft nicht bekan­nt ‚vielle­icht fehlt uns an Selb­stver­trauen .
    Machen wir weit­er so gibt es dem­nächst keine vere­ine, Kirchen und sowieso keine
    Schulen mehr!
    Wollen wir das? Ich nicht!

  • 11. Februar 2010 um 18:50
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    “kopf­schüt­tel” hat klar und ein­deutig recht. Man kön­nte noch weit­er gehen, wenn es das The­ma erlaubte:.…“Griechenlands Griechen soll­ten sich auch schä­men?” Nur wäre es mit schä­men nicht getan, die Griechen kön­nten ler­nen, wieder Hel­lenen zu sein, wie sie es als Vor­bild für die Europäis­che Kul­tur ein­mal waren. Allerd­ings braucht­en sie dafür auch die nöti­gen Leit­bilder in der Öffentlichkeit. Solche Men­schen suchen wir als soziale Are­its­gruppe in der Mani in Lako­nia seit fast zwanzig Jahren. Aber nur ger­ingfügig erfol­gre­ich­er als der alte Sokrates haben wir gle­ich­gesin­nte Griechen gefun­den. Jet­zt ler­nen wir wieder gemein­same Ver­ant­wor­tung für unsere “Eropäis­chen” Prob­leme zu übernehmen und Lösun­gen dafür zu find­en. Das Mag­a­zin der Griechen hil­ft an der richti­gen Stelle. Danke

  • 22. Juni 2010 um 14:07
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    Möglicher­weise sind Griechen inte­gri­ert! All die Europäer, die ich kenne, brauchen keine Inte­gra­tioswahl! Die fühlen sich heimisch und meist nur noch an den Namen als ehem. Aus­län­der zu erken­nen!

    Das ist doch gut — oder?

    Die Wes­teu­ropäer haben sich hier einge­bracht! Kul­turell sowieso — das lieben die Deutschen. Aber auch beru­flich!

    Warum dann so eine Wahl?

    Wenn sie Deutsche wer­den, kön­nen sie hier wählen, wie wir alle auch!

    Diese Inte­gra­tion brauchen nur Mus­lime! Dann sollte man das auch so benen­nen und nicht Griechen, die voll inte­gri­ert sind, beschimpfen, weil sie ein­se­hen, daß das solch eine Wahl Unsinn ist!

  • 28. August 2012 um 16:29
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    Liebe Ellas.Net-Redaktion,
    in der Tat ist das eine schlechte Aus­beute. Seid ihr euch sich­er, dass ihr aber richtig recher­chiert habt? ZB in Düs­sel­dorf ist nicht Kiri­akos kiourt­sidis im Stad­trat, son­dern Ioan­nis Vatal­is. Er ist seit acht Jahren dabei und hat einen eige­nen Wahlkreis, den er gewon­nen hat. Außer­dem ist er sog­ar im Frak­tionsvor­stand sein­er Frak­tion. Von 2004 bis 2009 war er Vor­sitzen­der des Aus­län­der­beirats und seit 2010 stv Vor­sitzen­der des Inte­gra­tionsauss­chuss­es. Wir brauchen mehr solch­er Leute wie Vatal­is. Sowohl in den Inte­gra­tionsräten, aber direkt auch in den Stadträten.

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